Die Weckuhr

Es ist 6.00 Uhr morgens. Und es ist Sonntag. Und mein freier Tag. Da wache ich normalerweise nicht um 6.00 Uhr von selbst auf. Aber das Gefühl, angestarrt zu werden, dringt in meinen Schlaf und als ich verschlafen die Augen öffne, sehe ich Biene, unseren Hund, vor meinem Bett stehen und freudig mit ihrem Schwanz wedeln. Zwischen Bett und Wand ist ein ca. 50 cm Abstand, so das Biene bei dieser Aktion ihren Schwanz gegen die Wand haut, was ein rhythmisches Trommeln erzeugt. Ich fauche sie unfreundlich an, das sie verschwinden soll. Dann drehe ich mich auf die andere Seite. Die ist aber schon besetzt. Da liegen zwei unserer Katzen in tiefem Schlaf: Bagheera und Buddha, nicht nett und platzsparend zusammengerollt, sondern breit ausgestreckt, was ihnen offensichtlich doppelte Größe verleiht. Der beste aller Ehemänner liegt an der äußersten Bettkante und ist somit der Gefahr ausgesetzt, jeden Moment aus dem Bett zu fallen. Alle diese Dinge sind etwas zu viel in dieser frühen Morgenstunde und so beschließe ich, den Weg des geringsten Widerstandes zu beschreiten, und mich einfach wieder mit fest zusammengekniffenen Augen auf meine Bettseite zu drehen. Aber da ist immer noch Biene und die ist auf einer Mission von der sie sich nicht abbringen lässt. Ich spüre, wie sich ein Kopf auf mein Kissen legt und als ich vorsichtig zwischen meinen Augenlidern hervorblinzel, sehe ich in zwei Hundeaugen, die mich anstarren. Schnell stelle ich mich tief schlafend. Der Kopf bewegt sich nicht von meinem Kissen weg, Biene ist dort anscheinend zu einer Salzsäule erstarrt. Als ich grade wieder am Einschlafen bin, stupst mich ganz vorsichtig eine Schnauze an und als ich tapfer weiter versuche, Biene zu ignorieren, leckt ein Hundezunge ebenso vorsichtig über meine Nase. Ich versuche ein weiteres Mal, sie wegzuscheuchen, da ich zum einen nicht die geringste Absicht habe, jetzt schon aufzustehen und zum anderen will ich ihr zeigen, wer hier Herr beziehungsweise Frau im Hause ist und an freien Tagen die Morgens-Aufsteh-Regeln macht. Biene ist davon nicht im geringsten beeindruckt. Sie schnappt einen Zipfel meiner Bettdecke und zieht. Maja, die bis jetzt wie ein ordentlich erzogener Hund unter dem Bett geschlafen hat, ist nun auch wach und versucht, sich unter Stöhnen, Grunzen und gelegentlichem Aufjaulen unter dem Bett hervorzuarbeiten. Sie ist in fortgeschrittenem Alter und etwas übergewichtig, aber unter dem Bett ist ihr Lieblingsschlafplatz und jeden Abend zwängt sie sich unter großem Aufwand da runter und Morgens mit genausoviel Aufwand wieder unter dem Bett hervor. Während Biene weiter an meiner Decke zieht und Maja für die Geräuschkulisse sorgt, gibt es in der Küche einen gewaltigen Krach, irgendetwas ist dort auf den Fliesenboden gefallen und in tausend Teile zersprungen. Das alles reicht, um mich nun doch zum Aufstehen zu bewegen. Eine Inspektion der Küche zeigt, das mein Kater Mr. Big Al bei dem Versuch, aufs Küchenfensterbrett zu springen, ein im Wege stehendes (zum Glück leeres) Glas von der Küchentheke gefegt hat. Jetzt sitzt er da und schaut mich anklagend an: in einem ordentlichen Haushalt stehen keine leeren Gläser als Katzenfalle im Weg. Nun beginnt mein Multitask: ich entschuldige mich bei Mr. Big Al, setze Teewasser auf, lasse die Hunde beide raus in den Garten, fege die Scherben zusammen und stelle jeder Katze einen gefüllten Futternapf hin. Während der BHE diese ganzen aufregenden Begebenheiten verschläft, kommen Bagheera und Buddha aus dem Schlafzimmer zum Futternapf gerannt. Somit ist Ruhe (für eine Weile). Ich verziehe mich mit meinem Tee in das nun wieder räumlichere Bett, ziehe den BHE von der gefährlichen Kante weg (warum ist er eigentlich nicht rausgefallen, das hätte doch alles noch viel aufregender gemacht) und kann nun entspannt beobachten, wie die Morgensonne unser Schlafzimmer und den auf der Kommode stehenden großen Sonnenblumenstrauss in ein goldenes Licht taucht. Mr. Big Al hat mir verziehen und streckt sich nach Beendigung seiner Morgenmahlzeit dekorativ an meinem Fußende aus, die Hunde toben verzückt durch den Garten und bellen, damit auch alle Nachbarn wach werden.

Und es war Sonntag . . .

Dankbar für:
1. Sonne und Wind
2. Freie Sonntage
3. Sonnenblumen

Kurzmitteilung

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