Das Wandern ist des Müllers Lust

 

Deutschland vor 25 Jahren:
Meine drei Kinder wurden von mir morgens auf verschiedene Arten in den Kindergarten gebracht: an meiner Hand laufend, hüpfend, bei Regenwetter mit Schirm und Gummistiefeln durch Pfützen platschend, im Herbst Blätter mit den Füßen aufwirbelnd, im Winter mit dem Schlitten und im Sommer sehr oft mit dem Fahrrad. Ein Auto hatten wir in den ersten Jahren nicht, aber auch später , als wir dann eines hatten, wäre uns nicht im Traum eingefallen, für einen 15 Minuten Weg zum Kindergarten oder zur Schule ein Auto zu benutzen.

Miami aktuell:
Meine Miami Enkelchen haben einen großen Spielplatz im Garten ihrer Eltern. Sandkasten, Rutsche, Schaukeln, Trampolin, ein kleines Badebecken, alles ist da. Sie sind auch täglich an der Luft. Ebenso sind sie oft am Strand. Auch mit dem Hund der Familie gehen sie spazieren. Aber wenn sie mit ihren Eltern irgendwohin gehen, dann gehen sie nicht, sondern fahren. Gummistiefel und Schirme oder lustige Kinder-Regenjacken befinden sich nicht in ihrem Besitz. Sie sitzen in ihren Auto-Kindersitzen und haben in die Rücklehnen der Vordersitze eingebaute DVD Player, wo sie ihre Disney Videos anschauen können. Sie werden zum Kindergarten gefahren und auch überall sonst hin.

Wenn ich mit dem Bus zur Arbeit fahre, muss ich von der Bushaltestelle bis zu unserem Laden ca. 20 Minuten laufen. Meine Kollegen bieten mir immer wieder an, mich von der Haltestelle mit dem Auto abzuholen, weil ihrer Ansicht nach ein Fussweg von 20 Minuten unzumutbar ist. Sie verstehen nicht, warum ich das selbst an Regentagen ablehne und halten mich in dieser Beziehung für seltsam.
Laufen, das ist hier die ziemlich ungeteilte Meinung, ist nur etwas für sehr arme Leute, Farbige, Latinos oder Bekloppte, denn: wozu hat man ein Auto? Nun gibt es hier durchaus Menschen, die sich bewegen: sie gehen mit dem Hund gassi, joggen oder fahren Fahrrad zwecks Fitness. Aber sie laufen nicht gezielt irgendwohin, weder zum Supermarkt, noch zur Schule oder zur Arbeit. Auch zur Arbeit bin ich schon gelaufen, an einem angenehm kühlen Morgen, das dauerte 2 ½ Stunden für einen Weg von ca. 9 Kilometern, kurze Pausen eingerechnet.

Seitdem ich wieder ein Fahrrad habe, benutze ich das, um zur Arbeit zu fahren. Da verlasse ich morgens um 8.00 Uhr das Haus und brauche etwas über eine Stunde für den Weg, weil ich langsam fahre. Die Straßen sind zu dieser Zeit noch oder schon wieder relativ leer, die Luft ist frisch und ich komme auch an einem netten kleinen See vorbei, wo ich meistens kurz anhalte, um etwas zu verschnaufen und mich an den Seerosen zu erfreuen.

Auch der Heimweg am Abend ist angenehm, nach 8 Stunden in einem geschlossenen Raum mit Klimaanlage ist die frische Luft sehr wohltuend. Da es jetzt nach den vielen Hurrikans und Stürmen im Atlantik sehr angenehm abgekühlt ist, habe ich auch im Haus keine Klimaanlage an sondern mache die Fenster auf. Dazu sind sie ja schließlich da. Aber in meinem Freundes- und Bekanntenkreis hier in Miami stehe ich auch mit dieser Einstellung alleine da. Klimaanlage hat man immer an und Fenster werden nur zum Zwecke der Säuberung mal kurz geöffnet.

Wenigstens Melissa Etheridge sieht das anders, obwohl sie Amerikanerin ist: „Come to my window“. Oder öffnet sie es auch nur kurz, um die Geliebte hineinzulassen?

Ich habe mich entschlossen, trotzdem weiter zu laufen, zu wandern, zu rennen und spazieren zu gehen, Fahrrad zu fahren und auch die Fenster weit aufzuhaben, wann immer es geht. Ich bin eben merkwürdig.

Dankbar für :
1. meine Füße
2. mein Fahrrad
3. der „Herbst“ hat Einzug gehalten

Kurzmitteilung

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