Selbst ist die Frau

Mit ungefähr 10 Jahren erklärte ich meinem Vater, der mir die Notwendigkeit des damals in der Schule als Pflichtfach vorhandenen Werkunterrichts nahelegen wollte, das ich mir keine handwerklichen Kenntnisse anzueignen brauche, weil: “Dafür habe ich später mal einen Mann.” Little did I know . . . Mein erster Ehemann und Vater meiner Kinder hatte zwar viele Talente, aber ein handwerkliches gehörte eindeutig nicht dazu. Nach meiner Scheidung blieb ich viele Jahre lang Single und alleinerziehende Mutter und war weiterhin gezwungen, nicht nur den Kochlöffel sondern auch Hammer und Schraubenzieher zu schwingen, Anbauwände, Schreibtische und Essecken zusammenzubauen und Wände zu streichen. Später geschah das auch mit Hilfe meiner heranwachsenden Kinder, die noch heute mit Gelächter auf unsere damaligen Aktionen zurückblicken und die Erinnerung an alle blauen Flecken, eingequetschten Zehen, mit dem Hammer blau gehauene Finger und falsch aufgebaute Regale und Schränke immer wieder aufleben lassen. Aus meinem Sohn ist aber trotzdem nicht nur ein guter Hobbyhandwerker geworden, sondern ein gelernter Schreiner, der tolle Möbelstücke zaubert. Meine groβe Tochter hat zwei linke Hände, was das Handwerken angeht, aber sie ist eine talentierte Fotografin. Und meine kleine Tochter werkelt gerne mit ihrem (handwerklich begabten) Mann im Haus herum und ist ihm eine qualifizierte gleichwertige Partnerin. Ich habe am Anfang meiner Ehe mit dem BHE freudestrahlend den Hammer und auch weitestgehend den Kochlöffel “abgegeben”. Ich hatte die Nase voll vom “selbst ist die Frau” und habe ihm bei jedem Nagel, der in die Wand musste und jeder Glühbirne, die auszuwechseln war, mit meinem sexiesten Augenaufschlag aufgefordert: “Schatz, mach das doch bitte mal . “ Mittlerweile macht es mir aber Spass, ihm zu helfen und mit ihm gemeinsam handwerkliche Projekte durchzuführen. Ich habe auch wieder meine eigene kleine Werkzeugtasche. Und als mir gestern in der Küche die Sicherung durchgeknallt ist, weil ich Mikrowelle, Kaffemaschine und Elektrokochtopf gleichzeitig am Stromnetz hatte, und auβerdem die Heizanlage für das Warmwasser die rote Alarmlampe aufleuchten lieβ, habe ich das sofort  in Ordnung bringen können. Der BHE ist ja noch immer in Michigan. Aber ein klein wenig Wehmut mischte sich doch in den Stolz der wieder auferlebten “selbst ist die Frau”: ich hätte den BHE gern daheim und würde gern sagen: “Schatz, mach das doch bitte mal . . . “

Dankbar bin ich:

1. für  Bücher wälzend verbrachte Stunden in Barnes and Nobles (am liebsten würde ich dort einziehen)

2. für einen Abendhimmel voller Sterne

3. für eine wunderbar erfrischende Lektüre: „Gut gegen Nordwind“ (sehr zu empfehlen)

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