Von der schwierigen Kunst . . .

. . . Schokolade zu essen.

Vor einer Weile kam ein Päckchen meiner Oma an. Da war unter anderem Schokolade drin. Ich bin ja selbst eine Grossmutter. Aber beim Auspacken des Päckchens war ich einfach nur wieder ein Enkelkind, welches sich über ein Päckchen der Oma freut.

5:15 Uhr

Ich sitze in der Arbeit. Es gelüstet mich nach Schokolade. Und natürlich habe ich Schokolade dabei. In meiner kleinen praktischen Kühltasche. Ich schaffe es, die Kühltasche aus dem Schrank zu holen und auf den Kassentisch zu stellen. Zum Auspacken der Schokoladentafel komme ich nicht. Eine Kundin kommt, will einen Katalog, schaut ihn an und erklärt mir, der wäre veraltet und sie will den neuen, den, den ihre Freundin auch hat. Es dauert eine Weile bis sie mir glaubt, das der Katalog ihrer Freundin veraltet ist und unserer der aktuelle und noch bis zum Monatsende gültig.

5:23 Uhr

Ich schaffe es, die Schokoladentafel aus der Kühltasche herauszunehmen. Zum Öffnen der Schokoladentafel komme ich nicht. Ein junges Mädchen schlendert an meinen Stand, schaut interessiert auf meine Schokoladentafel und dann auf die Auslage mit den Lidschatten. Ich lasse die Schokoladentafel schnell hinter dem Telefon verschwinden. Ist schliesslich Milka Schokolade. MEINE SCHOKOLADE! Die muss vor potentiellen Schokoladendieben und „kann-ich-ein-stück-abhaben“ Personen geschützt werden. Das Mädchen kauft nach langem Überlegen eine Lidschattenpalette und einen Lippenstift.

5:46 Uhr

Ich hole die Schokoladentafel aus ihrem Versteck, öffne sie, breche ein Stück ab und will es mir gerade in den Mund stecken, da kommen zwei fröhliche alte Damen. Sie wollen Lippenstifte und diverse andere Kosmetik, haben einen Katalog aus dem Jahre 2009 und sind nun verwundert, weil der nicht mehr aktuell ist und wir mittlerweile andere Preise haben. Aber ich trickse sie mit dem magischen Wort „Free“ aus: „Schauen sie, wenn sie diese Bodylotion kaufen möchten, dann gebe ich ihnen eine zweite ganz einfach so umsonst dazu.“ Das das von mir gar keine Groβzügigkeit ist sondern im neuesten Katalog so angeboten wird, wissen sie nicht, denn: sie haben ihn ja nicht. Sie sind beeindruckt und kaufen ordentlich ein.

6:32 Uhr

Die Schokoladentafel wartet immer noch in ihrem Versteck hinter dem Telefon. Ich schaue mich in alle Richtungen um. Niemand zu sehen. Ich greife hinter das Telefon und mache vor Schreck einen Luftsprung, weil es genau in diesem Moment klingelt. Und das sehr laut. Weil ich es immer auf die höchste Lautstärke stelle. Weil ich schwer höre. Am anderen Ende ist meine Chefin. Sie informiert mich, das unsere Bestellungen eingetroffen sind und wir ratschen ein wenig über unsere Enkelkinder. Omas halt.

7:10 Uhr

Ich greife erneut nach der Schokoladentafel. Nehme das bereits abgebrochene Stück und lasse mir die zarteste Versuchung langsam und genüsslich auf der Zunge zergehen.

“Save the earth.  It’s the only planet with chocolate.”

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: