Hexenbrot

Alle zwei Wochen samstags habe ich jetzt zusätzlich zu den drei bereits vorhandenen noch einen vierten Job, der darin besteht, an einem Stand in der Mall Avon Kosmetik zu verkaufen. Dieser Samstag ging sehr langweilig an, es war nicht viel los und eine ganze Weile lang hatte ich nichts weiter zu tun, als Leute zu beobachten. Es ist schon interessant(?) was man hier so alles sieht. Das Motto ist (zumindest bei vielen) „Sehen und gesehen werden“.  Junge Mädchen staksen mit Miniröcken und Stilettos sowie mit einem als Kriegsbemalung aufgetragenem Makeup durch die Gänge, 50-jährige machen sich lächerlich indem sie verzweifelt versuchen, wie 20 auszusehen, Paris-Hilton-wannabe hat einen dieser schrecklichen Chihuahuas in einer kleinen Tragetasche und natürlich trägt man auch in der Mall Sonnenbrille! Ich gehe selbst gerne in der Mall bummeln, interessiere mich da aber eher für das Angebot in den Läden. Wenn man aber in der Beobachterposition ist, wirkt es einfach oberflächlich, lächerlich, grotesk. Eine Ausnahme machen da die Angestellten im Hallmark Shop direkt gegenüber von mir, es sind alles ältere Damen und mit ihren blauen Schürzen erwecken sie den Eindruck von Gemütlichkeit, von Tee und Plätzchen, von Normalität. Zum späten Nachmittag ging ich mir bei Starbucks einen Caffè Latte holen und hatte die Absicht, dazu eines meiner kleinen Hexenbrote zu essen. Das ist eine Art Honigkuchen, angeboten vom Teeversandhaus Schrader. Dank der Artikel die ich für textbroker schreibe habe ich immer ein kleines Guthaben an Euro, mit dem ich mir keine groβen aber doch kleine Wünsche erfüllen kann und das war diesmal das Hexenbrot.

Der erste Biss hatte eine nicht vorhergesehene Wirkung: ich schmeckte Marzipan, Nüsse, Preiselbeeren genauso wie Weihnachten, Heimweh und Schnee, und das trieb mir nicht nur die Tränen in die Augen sondern brachte mich richtig zum Weinen und ich konnte gar nichts dagegen tun. Seltsam, wie ein bestimmter Geschmack auch bestimmte Erinnerungen und Gefühle hervorrufen kann. Nach einer Weile und ziemlicher Anstrengung hatte ich mich aber doch wieder gut im Griff, nur das Hexenbrot konnte ich nicht weiteressen, das kam in der Brotbox wieder mit nach Hause. Aber der heisse Caffè Latte sorgte für wohltuende Beruhigung und ausserdem: Hexen weinen nicht, oder?

Und daheim hatte der BHE (best husband ever) ein wenig comfort-food: eine Spinatnudelpfanne und auch soul-food: ein kleines Beatles Booklet, das er für mich auf einem garagesale gekauft hat.

Alles wird gut und „home is where the heart is“.

3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Ursula Moschüring
    Jan 18, 2015 @ 17:32:40

    Hallo, bin auf der Suche nach dem sagenhaften Hexenbrot (Honigkuchengebäck) von dem Sie schrieben. Bei Schrader habe ich es nicht gefunden. Wissen Sie Rat?

    Antworten

  2. smoresandsauerkraut
    Apr 15, 2015 @ 19:07:27

    Ich hab das bisher nur bei Schrader bekommen. Ist ja auch schon eine Weile her. Vielleicht haben die es jetzt aus ihrem Angebot rausgenommen. Das waere schade.

    Antworten

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