His and Hers

Es hat lange gedauert, meinen Ehemann davon zu überzeugen, das es durchaus normal ist, als Familie an einem gedeckten Tisch zu sitzen und nicht alle essen das gleiche. Wichtig ist der Zusammenhalt, das gemeinsam-am-Tisch-sitzen und nicht die einheitlich gefüllten Teller. Mein Mann kommt aus einer Familie, wo noch die Regel galt: „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.“ Nun ist es sicher einfacher für denjenigen, der das Essen zubereitet, wenn man nicht mehrere verschiedene Gerichte für jeden einzelnen Geschmack kochen muss. Aber leider sind die Geschmäcker nun mal unterschiedlich und da ich nicht gerne gezwungen werde, Dinge zu essen, die ich nicht mag, tue ich das im Gegenzug auch keinem anderen an. Erschwerend kommt noch hinzu, das mein Mann nicht von der amerikanischen (Un)Sitte abkommen kann, ein umfangreiches komplettes Menü mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert am Abend zu verspeisen, im Moment aber leider auch nicht zu umgehen durch die Tatsache, das er erst abends heimkommt und während des Tages ausser Fastfood keine Möglichkeit hat, ein ordentliches Mittagessen zu sich zu nehmen. Ich esse ganz normal zur Mittagszeit und  habe dann am Abend gerne einfach nur mein Schwarzbrot mit Käse, einen Salat, Joghurt und Obst. Ohne gemein zu sein, möchte ich mal so nebenbei bemerken, das vielen Amerikanern ein bescheidenes Abendbrot mehr Gutes in Bezug auf Gewicht und Gesundheit tun würde. Mein Mann hat zum Glück trotz seiner abendlichen Essgewohnheiten (noch) keine Gewichtsprobleme. Und ich habe es auch geschafft, über die Jahre hinweg so langsam seine Nahrung etwas umzustellen: keine Dosen mehr, keinen ekligen Ketchup, wenig fettiges oder fritiertes, frische Zutaten, viel Obst und Gemüse. Und ihm schmeckt es. Und er darf natürlich ab und zu aus der Rolle fallen und bacon, hashbrowns (schrecklich!!!)  und bisquits and gravy (auch schrecklich !!)  haben.

Aus allen diesen Gründen bereite ich oft zwei verschiedene Gerichte zu, was mir aber nichts ausmacht. Im gestrigen Falle war das für mich zum Mittagessen eine Hühnerbrust mit Paprika, Rosmarin, Weisswein und viel Zwiebeln, von denen ich nicht genug bekommen kann. Mit Folie abgedeckt und im Ofen gebacken.

Für ihn gibt es ein Steak, aber nicht in der Pfanne gebraten sondern ebenfalls in einer Glasform im Ofen, mit Kartoffeln, Möhren, Weisswein und Rosmarin.

Und das Steak-Gericht steht dann abends, wenn mein Mann von der Arbeit kommt, auf dem Tisch, in friedlicher Koexistenz mit meinem Brotzeitteller, an den er sich mittlerweile gewöhnt hat. Warum auf seinem Teller keine Petersilie ist? Er mag sie nicht !

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