Lesen heißt durch fremde Hand träumen

Hermann Hesse hat mal gesagt: „Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Und irgendwo habe ich auch mal den Spruch gelesen: „A house is not a home until it has a cat.“ Dann bin ich ja vom Schicksal wohl sehr begünstigt, denn ich besitze unzählige Bücher und mehr als eine Katze.

Man sollte nie so viel zu tun haben, dass man zum Lesen keine Zeit mehr hat. Die Leidenschaft für Bücher teile ich mir mit meinem Kater Mr. Big Al. Während ich die Bücher lese, geniesst er es, auf ihnen zu liegen, sie einzuatmen, sich auszustrecken und besitzergreifend zu räkeln.

Beim Lesen tauche ich in eine andere Welt ein, lebe nicht nur ein sondern mehrere fremde Leben, die mir immer vertrauter werden. Eine oder auch mehrere Personen in der Handlung werden zu Freunden, die man ein wenig in ihrem Leben und in ihrer Geschichte begleitet und von denen die Trennung am Ende eines (guten) Buches schwer fällt. Und genauso, wie ich mich entscheiden kann, einen Freund zu besuchen, den ich lange nicht gesehen habe, so habe ich auch in gewissen Abständen das Bedürfnis, das eine oder andere meiner Bücher von Neuem zu lesen und alte Freunde darin wiederzufinden.

Habe ich ein Buch ausgelesen, lege ich es zur Seite und träume die Geschichte ein wenig weiter, während ich wieder zum eigenen Leben zurück kehre. Aber das Buch und die Handlung habe ich trotzdem nicht einfach zurückgelassen. Und es gibt Beweisspuren im Buch, Schokoladen-, Tee- und Kaffeeflecke, ganz klein und verschämt aber doch sichtbar, eine Bleistiftanmerkug auf einer Seite, ein Name, Lesezeichen, Zettel, getrocknete Blumen, die ich zwischen den Seiten vergesse und dann später (manchmal nach Jahren) wiederfinde. Und auch Bücher, die ich auf Auktionen kaufe, haben diese „Beweisspuren“, jemand anderes hat dem Buch seinen Stempel aufgedrückt, es verändert. Oft denke ich: „Wer dieses Buch wohl schon alles in der Hand gehalten hat?!“ und ich wünsche mir manchmal, gerade bei sehr alten Büchern, dass sie auch die Geschichte ihrer Vorbesitzer erzählen könnten.

„Lesen ist Denken mit einem fremden Gehirn.“ – Jorge Luis Borges

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