Tee trinken

Wieder mal ein Regentag

Angenehmerweise regnet es seit Tagen, nicht ununterbrochen aber grad mal soviel, dass keine gescheite Arbeit im Freien möglich ist.

Am Samstag waren wir auf einem Bücherflohmarkt und mir sind einige Kostbarkeiten in die Hände gefallen:

„Inkheart“ ein Buch in dem man sich verliert, sehr schön und phantasievoll geschrieben, ein Buch, von dem man nicht möchte, das es endet, was leider mein Problem ist, ich habe gleich am Samstagabend angefangen und trotz sehr langsamen Lesen bin ich jetzt auf Seite 500, Kapitel 56 „The Shadow“. Habe auch nachgeforscht und rausgefunden, das es eine Trilogie ist, somit gibt es noch zwei weitere Bücher, die keine besonders guten Kritiken bekommen haben, aber da werde ich mir selbst eine Meinung bilden, denn natürlich werde ich sie kaufen und lesen . . .

„She felt almost as if she could hear the books whispering on the other side of the half-open door. They were promising her a thousand unknown stories, a thousand doors into worlds she had never seen before.”

Daheim arbeiten oder in der Arbeit daheim sein

Wenn ich von Freunden oder Bekannten gefragt werde, was ich denn beruflich mache und ich sage: „Ich arbeite daheim“, dann kommt erst mal ein neidisches: “Ach du hast es aber gut”. Hab ich das wirklich? Erstmal, ich habe drei jobs: ich schreibe kleine Artikel und blogs nach Auftrag, habe einen bookstore bei ebay und erledige diverse Büroarbeiten für den Chef meines Mannes. Daheim arbeiten heisst, ich kann morgens im Schlafanzug meine emails abrufen und die ersten Telefonate führen.

Kann am Computer frühstücken oder mich mit dem Laptop und einer Tasse Kaffee in den Garten oder in mein neues Paradies, den screenroom, setzen. Kann nebenbei die Hunde kraulen, Katzen auf dem Schoss haben, schnell mal bei facebook reinschauen, kurz ein paar Bilder im photoshop bearbeiten, ein zufällig gefundenes Rezept kopieren, merken, das mir einige Zutaten zum Kochen fehlen und spontan zum Supermarkt laufen, um diese zu besorgen. Ich kann schnell die Waschmaschine voll laden, einen Braten in den Ofen schieben und mir die Haare färben oder meine Fussnägel lackieren. Sieht ja niemand, wenn ich die Füsse zwecks Nagellack trocknen auf dem Schreibtisch balanciere und dabei ein Handtuch um die Schultern habe, damit mir die gerade aufgetragene Haarfarbe nicht auf die Bluse tropft. Alles das, was man eigentlich in der wenigen Freizeit NACH der Arbeit erledigt, das mach ich so nebenbei WÄHREND der Arbeit. Aber, ich höre auch eigentlich nie auf zu arbeiten. Ideen für einen Artikel oder einen blog kommen nicht zwischen 8.00 und 16.00 Uhr. Die vielen mal-kurz-dazwischen-schieben Dinge verschieben auch meinen Arbeitsablauf. Wenn ich abends beim Tee sitze und mir kommt ein guter Gedanke, dann schreib ich den schnell auf. Wenn ich den ganzen Tag lang überlegt habe, wie ich am besten ein Buch beschreibe und es attraktiv für den Verkauf vorbereite und der Geistesblitz kommt kurz vor dem Zu-Bett-Gehen, dann wird er auch noch schnell in die Tat umgesetzt. Und wenn ich mein Enkelchen betreue und dabei nicht so richtig zum Arbeiten komme, dann muss ich das am späten Abend wieder aufholen.

Ich habe viele Jahre meines Lebens in der Őffentlichkeit gearbeitet, mit Menschen, gegen Menschen, mich der Konkurrenz und allen anderen An- und Unannehmlichkeiten gestellt. Ich muss mir nichts mehr beweisen. Ich hab auch kein Problem damit, mehr Zeit als früher am Kochtopf zu verbringen.

Ja, ich habs gut und dafür bin ich dankbar.

Lesen heißt durch fremde Hand träumen

Hermann Hesse hat mal gesagt: „Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.“ Und irgendwo habe ich auch mal den Spruch gelesen: „A house is not a home until it has a cat.“ Dann bin ich ja vom Schicksal wohl sehr begünstigt, denn ich besitze unzählige Bücher und mehr als eine Katze.

Man sollte nie so viel zu tun haben, dass man zum Lesen keine Zeit mehr hat. Die Leidenschaft für Bücher teile ich mir mit meinem Kater Mr. Big Al. Während ich die Bücher lese, geniesst er es, auf ihnen zu liegen, sie einzuatmen, sich auszustrecken und besitzergreifend zu räkeln.

Beim Lesen tauche ich in eine andere Welt ein, lebe nicht nur ein sondern mehrere fremde Leben, die mir immer vertrauter werden. Eine oder auch mehrere Personen in der Handlung werden zu Freunden, die man ein wenig in ihrem Leben und in ihrer Geschichte begleitet und von denen die Trennung am Ende eines (guten) Buches schwer fällt. Und genauso, wie ich mich entscheiden kann, einen Freund zu besuchen, den ich lange nicht gesehen habe, so habe ich auch in gewissen Abständen das Bedürfnis, das eine oder andere meiner Bücher von Neuem zu lesen und alte Freunde darin wiederzufinden.

Habe ich ein Buch ausgelesen, lege ich es zur Seite und träume die Geschichte ein wenig weiter, während ich wieder zum eigenen Leben zurück kehre. Aber das Buch und die Handlung habe ich trotzdem nicht einfach zurückgelassen. Und es gibt Beweisspuren im Buch, Schokoladen-, Tee- und Kaffeeflecke, ganz klein und verschämt aber doch sichtbar, eine Bleistiftanmerkug auf einer Seite, ein Name, Lesezeichen, Zettel, getrocknete Blumen, die ich zwischen den Seiten vergesse und dann später (manchmal nach Jahren) wiederfinde. Und auch Bücher, die ich auf Auktionen kaufe, haben diese „Beweisspuren“, jemand anderes hat dem Buch seinen Stempel aufgedrückt, es verändert. Oft denke ich: „Wer dieses Buch wohl schon alles in der Hand gehalten hat?!“ und ich wünsche mir manchmal, gerade bei sehr alten Büchern, dass sie auch die Geschichte ihrer Vorbesitzer erzählen könnten.

„Lesen ist Denken mit einem fremden Gehirn.“ – Jorge Luis Borges

Ein Regentag

Draussen regnet es in Strömen. Schon den ganzen Tag lang.

Das verlangsamt meinen ganzen Tagesablauf. Gefrühstückt habe ich im screenroom, und der Regen rauschte nur so nieder, ein frischer Wind wehte durch die Fliegengitter und das war sehr angenehm nach den vielen miserablen Hitzewochen. Das muss auch unser schwarzer Kater Baghira so gefühlt haben, denn er lag lang ausgetreckt auf der Blumenbank und sah sehr zufrieden aus.

Gegen Mittag habe ich angefangen, eine Kartoffelsuppe zu kochen: gelbe Kartoffeln, Süsskartoffeln, rote Linsen, Sellerie, Möhren und Lauch. Da hat schon die ganze Küche so angenehm geduftet. Űber die fertige Suppe kommen in Butter angeröstete Zwiebeln und viel Knoblauch. So eine herrlich warme, herzhafte Suppe ist genau das Richtige an einem Regentag.

Nach dem Essen habe ich meine neu eingegangenen Bücher durchgesehen, nach Themen sortiert, bei ABE Books, amazon und ebay nach Angebot und Nachfrage recherchiert und alle zur Auswahl kommenden Bücher zum Verkauf vorbereitet: einscannen, Zusammenfassung und Beschreibung, Preis festlegen und wiegen wegen der Versandkosten. Dabei habe ich, wie immer, auch Interessantes für mich gefunden, hier ist meine Auswahl an Lesematerial für die nächsten Wochen. Das obere Buch „Sister Carrie“ habe ich gestern abend schon angefangen zu lesen.

Am Sonntag habe ich von meinem Mann wunderschöne Rosen geschenkt bekommen.

„Es regnet, es regnet, es regnet seinen Lauf,

und wenn’s genug geregnet hat, dann hörts auch wieder auf.“

Alle guten Dinge

Ich muss zugeben, das mich vieles hier einfach aufregt. Aber da man auch positiv denken soll, habe ich mir vorgenommen, jetzt einmal alles aufzuzählen, was ich hier in den USA auch gut finde:

1. Nur einmal aus der Sicht des Verbrauchers gesehen, finde ich die Möglichkeit des 24/7 Einkaufens sehr bequem und auch die generell längeren Ladenöffnungszeiten.

2. Self-Checkout – wenn die Schlangen wieder mal sehr lang und die Verkäuferinnen wieder mal sehr langsam sind, gehe ich an eine dieser Kassen, ziehe meine Artikel über den scanner, packe sie selbst in die Einkaufstüten oder meinen Einkaufsbeutel (bin ja umweltbewusst), schiebe das Geld in die vorgesehenen Őffnungen, fluche nur ein wenig weil die Dollarscheine dreimal wieder zurückkommen ehe sie endlich durchgehen, habe dann aber doch relativ schnell und einfach alles erledigt und echt Zeit gespart.

3. Die vielen frischen Früchte, die dazu auch noch sehr preiswert sind.

4. Dunkin Donuts (auch wenn man es irgendwann ein wenig an den Hüften sieht)

5. Die Vielfalt der Barbeque Sossen wie z.B. Extra Spicy, Cranberry Orange, Hickory Smoked, Brown Sugar, Honey, Honey Chipotle oder Tangy Mustard BBQ Sauce.

6. Klimaanlagen, ich bin zwar kein Extrembenutzer, aber es ist sehr angenehm, im Sommer bei hohen Aussentemperaturen in einem angenehm klimatisierten Haus zu sein.

7. Wenn ich im Supermarkt an der Kasse stehe, werden meine Waren von der Kassiererin oder einer Hilfskraft eingepackt, ich muss das nicht selber machen, die verpacken alles in Plastiktüten und legen es mir in den Einkaufwagen. Das ist SUPER bequem. Ich muss nicht in Windeseile meine Sachen selber im Wagen verstauen, weil die Verkäuferin schon die Waren vom nächsten Kunden in meine Richtung drängt. In einigen Supermärkten schieben sie einem den vollen Einkaufswagen sogar noch bis ans Auto, man muss dann nur noch einladen und losfahren.

8. Nicht dumm angeschaut zu werden weil ich nicht nach der neuesten Mode gekleidet bin.

9. Truthahnhackfleisch, da ich nur Geflügel oder Fisch esse, muss ich hier nicht auf solche Dinge wie Kohlrouladen, gefüllte Paprika, Spaghetti Bolognese, Turkey Burger, Hackbraten oder Chili con carne verzichten.

10. ????

Ich habe Tee getrunken, ein wenig gelesen, war mit den Hunden spazieren, habe angestrengt nachgedacht, aber mir fallen einfach keine 10 Dinge ein. Aber 9 ist ja auch schon beachtlich. Und aller guten Dinge sind ja sowieso nur drei . . .