Märchenhaft

Die Brezn heiβt hier in Amerika ganz stolz Pretzel. Ich finde, das hört sich genauso doof an wie sie auch schmeckt. Die beiden einzigen Orte in Miami, wo es richtig gute (weil bayrische) Brezn gibt, sind das „Hofbräuhaus Miami“  und meine gute Bäckerei in Fort Lauderdale. Beide in „nur“ ca. 30 bzw. 45 Minuten zu erreichen, wenn der Verkehr gut ist und man gleich einen Parkplatz findet. Da es mich, wie Rapunzels Mutter nach dem Salat, nun so unheimlich nach frischen Brezen gelüstete, und ich meinen Ehemann nicht der Gefahr aussetzen wollte, einer bösen Zauberin in die Hände zu fallen, beschloss ich, meine eigenen Brezn herzustellen. Solche Experimente meinerseits miβlingen allerdings öfter, als sie gelingen und das Endprodukt sieht in den wenigsten Fällen so wie das schicke Foto im Back- oder Kochbuch aus.

Aber, ich wollte Brezn, ganz frisch und warm und mit Butter und einer Tasse Kaffee. Also suchte ich mir als erstes eines der vielen im Internet vorhandenen Rezepte aus. Eigentlich hörten sie sich alle ganz leicht an. Ein ganz normaler Hefeteig wird nach dem Aufgehen in die gewünschte Form gebracht, die Teile werden in heiβer Lauge kurz aufgekocht und dann gebacken. Das kann ja nicht so schwer sein.

Nun habe ich an den in deutschen oder besser bayrischen Landen angebotenen Brezn aber doch ein wenig Kritik zu üben. Ich dachte mir immer, es wäre schön, wenn die Brezn anstatt so dunkelbraun von einer ganz sanften honigbraunen Farbe wären und auch das Salz fand ich überflüssig, eigentlich auch lästig, denn ich musste es immer erst vor dem Essen von der Brezn runterkratzen. Und die ganz dunkelbraunen trockenen dünnen Enden, auf die ganz einfach keine Butter passte, die mochte ich auch noch nie. Am besten wäre es, wenn eine Brezn nur aus dem komplett leckeren Mittelteil bestünde. Aber dann wäre es ja keine Brezn mehr. Da ich nun als selbst ernannte Bäckermeisterin die alleinige Macht besaβ, meine Brezn ganz nach meinem Geschmack herzustellen, lieβ ich als erstes mal das Salz weg, nur in den Teig kam eine ganz kleine Prise. Und ich formte auch keine Brezn sondern gleichmäβige Teile, etwas dicker als Laugenstangen. Und dann stand ich die ganzen 25 Minuten Backzeit vor meinem Ofen und als die Brezn, sorry: das oder die Laugengebäck(e), anfingen, schön aufzugehen und eine noch schönere, von mir immer erträumte honigbraune Farbe annahmen, tanzte ich wie Rumpelstilzchen in meiner Küche herum, vor Freude immer wieder ausrufend: „Oh wie sind die schön, die sind tatsächlich was geworden!“. Und das waren sie. Absolut perfekt und diesmal viel schöner als das Foto im Rezept. So etwas ist mir in meinem ganzen Leben noch nie gelungen!

Auch beim Aufschneiden kann man sehen, sie sind vollkommen durchgebacken, zart und knusprig. Die Salzbestreuung, die hatte ich ja wie gesagt weggelassen, aber eine ganz leicht gesalzene Butter als Aufstrich, die macht sich gut.

Auch der Katze schmeckts, wie man sieht. Es lebe die Vollkommenheit !

Leider aber schlemmert man bei Laugengebäck auch jede Menge banale Kalorien aus Stärke und Zucker, die, da aus Weisenmehl, nicht langanhaltend sättigen, sondern sich bei regelmäβigem Verzehr auf die Hüften legen! Also wird es die leckeren Stangen nur ab und zu geben.

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