Old time rock’n‘ roll

Obwohl es, wie bereits erwähnt, Momente gibt, wo wir uns fragen, ob wir uns wie alte Leute benehmen, gestern war mit Sicherheit Party angesagt. Während ich in der Küche rumwurschtelte und David am Computer sass (haha, die absolute klassische Rollenverteilung) lief im Wohnzimmer unser  gemeinsamer Lieblingssender BIG 105.9 FM (Miami’s Classic Rock Station). Ich muss mal eine Liste der Dinge machen, die ich hier mag, da kommt ja doch einiges zusammen. BIG 105.9 gehört dazu. Oft, wenn wir abends ins Bett gehen und das Radio ausmachen wollen, sitzen wir da und sagen, ach nee, nur noch dieser eine song. Und wenn der vorbei ist, dann kommt wieder ein guter und dann sagen wir wieder, aber nach dem, da machen wir wirklich aus. Das kann dann ewig so weitergehen, weil die am laufenden Band durchaus SUPER Titel spielen. Whitesnake und Hearts, Bryan Adams und Manfred Mann, Foreigner und Journey, Def Leppard, Black Sabbath und Thin Lizzy, Queen, Pink Floyd, AC/DC und U2, sie sind alle da und sie sind immer noch GUT !!!!

Grandma Miau (das erkläre ich irgendwann einmal) steht also in der Küche und macht den Abwasch und singt und dann kommen plötzlich die ersten Takte von „Old time rock’n’roll“. Und als ich ins Wohnzimmer renne, um das Radio GANZ laut aufzudrehen, kommt David aus dem Arbeitszimmer gerannt mit genau der gleichen Absicht.

Still like that old time rock’n‘ roll
That kind of music just soothes the soul
I reminisce about the days of old
With that old time rock ’n‘ roll

Das tanzen wir jetzt gemeinsam, ich mit noch nassen Händen vom Abwaschen und David mit seinem Kugelschreiber in der Hand.

There’s only sure way to get me to go
Start playing old time rock ’n‘ roll

Wir haben voll den Spass und singen laut mit. In unserem Haus können wir Krach machen, soviel wir wollen !!!

Call me a relic, call me what you will
Say I’m old-fashioned, say I’m over the hill
Today‘ music ain’t got the same soul
I like that old time rock ’n‘ roll

Und während wir dann auf dem Couchtisch sitzen und versuchen, wieder zu Atem zu kommen, erklingen die sanften Töne von Journey und wir tanzen langsam, Arm in Arm und cheek to cheek  . . .

“ You stand by me,

I’m forever yours,

faithfully”.

Was für ein schöner Abend. Eine liebe Freundin meiner Mutter, die mit fast 70 Jahren mit ihrem Mann noch  auf  Hochsee  Segeltouren geht, hat mal so gut gesagt: „Die ldee ist: jung bleiben und alt werden.“

l like that old time rock’n‘ roll
That kind of music just soothes the soul
I reminisce about the days of old
With that old time rock ’n‘ roll

Morgens früh um sechs

Morgens früh um sechs
kommt die kleine Hex.
Morgens früh um sieb’n
schabt sie gelbe Rüb’n.
Morgens früh um acht
wird Kaffee gemacht.
Morgens füh um neun
geht sie in die Scheun‘

Morgens früh um zehn
holt sie Holz und Spän‘.
Feuert an um elf,
kocht dann bis um zwölf.
Fröschebein und Krebs und Fisch,
hurtig Kinder, kommt zu Tisch!

Es gab eine Zeit, da habe ich das Bedürfnis gehabt, in meinem Leben immerzu etwas verändern zu müssen. Jetzt brauche ich die absolute Routine. Ich mag es nicht, wenn mein Tagesablauf durcheinander gebracht wird. Ich begrüβe den neuen Tag, indem ich mit Schlafanzughose und T-Shirt durch meinen Garten laufe und dabei meine erste Tasse Kaffee trinke. Am Gras und an den Pflanzen und Blumen hängen noch die Wassertropen vom Tau und vom Rasensprenger und die Morgensonne, die noch angenehm warm ist, bevor sie im Laufe des Tages brennend heiβ wird, bringt alles zum Glitzern. Biene und Maja springen im Garten herum, verrichten ihr Morgengeschäft und jagen die vielen kleinen Geckos. Der Tag geht weiter mit duschen, anziehen, frühstücken, alle emails und ebay checken. Staubsaugen und Wischen (muss man leider jeden Tag, wenn man so viele Tiere hat), dann der tägliche Gang zur Post und zum Supermarkt. Fast immer habe ich eine Kernzeit von ca. 10.00 bis 15.00 Uhr, in der ich wirklich arbeite und nur kurz gegen Mittag einen kleinen Snack habe. Um 15.00 Uhr fange ich an zu kochen und zu backen (ja, backen, David bekommt jeden Tag einen Kuchen oder wenigstens frische Brownies). Wenn er einen langen Tag hat, muss ich alleine essen und er bekommt es (leider) dann abends in der Mikrowelle warmgemacht, kommt er pünktlich, dann essen wir gemeinsam so gegen 17.00 Uhr, kuscheln auf dem Sofa, spielen ein wenig „Animal Crossing – City Folk“ (haha ich hab mich geoutet . . .), hören Musik und berichten uns gegenseitig unsere Tageserlebnisse.

Während David dann ein wenig „Allein-Zeit“ hat, gehe ich im Garten Unkraut zupfen, gieβe alle Blumen und Pflanzen, topfe mal was um und wurschtel so ein wenig hier und ein wenig da. Genauso wie ich den Sonnenaufgang am Morgen mag, fasziniert mich die Dämmerung am Abend, wenn die Sonne weg ist und ein frischer Wind weht und man manchmal sogar die Meeresluft riechen kann. Ich spiele mit dem Gartenschlauch und freue mich über die Wasserfontaine, die in elegantem Bogen auf die Blumen und Pflanzen niedersprüht und die ich hin- und herschwenken kann.

Manchmal arbeite ich abends dann noch so ein bis zwei Stunden, bevor ich mich mit Tee und Buch gemütlich in eine Ecke verziehe und den Tag ausklingen lasse. Und wenn wir dann zusammengekuschelt im Bett liegen, fragt David mich manchmal: „Kann es sein das wir uns wie alte Leute benehmen?“ Ich weiβ es nicht. Ist mir auch egal. Ich bin endlich zur Ruhe gekommen und dafür bin ich dankbar.

Alles Milchreis, oder was?

Ich habe eine absolut perfekte Mango im Supermarkt bekommen. Nicht zu weich, nicht zu hart und eine herrliche Kombination von warmen Farben. Da musste ich sie natürlich erstmal fotografieren und ich bin diesmal mit dem Ergebnis fast zufrieden.

Heute gelüstet es mich nach Milchreis. Den kann ich mittlerweile ganz gut kochen und er brennt auch selten mal an. In den letzten 10 Minuten gebe ich beim Kochen eine kleine Dose süße Kondensmilch dazu. Dann muss man wirklich dabei stehen bleiben, damit es nicht anbrennt und ständig umrühren. Der Milchreis wird dann ganz süß und cremig. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Milchreis und Grießbrei sind für mich so eine Art Wohlfühlessen. Fast wie beim Tee trinken ziehe ich mich mit meinem Teller gemütlich in eine Ecke zurück und esse Löffel für Löffel langsam und mit Genuß. Dann kann ich richtig merken, wie so langsam die Glücksgefühle von meinem Magen in meinen Kopf steigen bis ich ganz ausgefüllt und rundum zufrieden bin. Und ich lasse es mir nicht nehmen, zum Abschluß dieses Rituals unter den neidischen Blicken meiner Katzen genüßlich den Teller abzuschlecken.

Tall Blondes

Ich lese grade ein Buch, das ich bei ebay gelistet hatte und das aus irgendeinem Grund niemand kaufen wollte. Normalerweise gehen solche Bücher gut und ich denke, es war vielleicht nur der falsche Zeitpunkt. Als ich darüber nachdachte, es vielleicht erneut reinzusetzen und es noch einmal durchblätterte, habe ich mich festgelesen. Das Buch heisst „Tall Blondes“. Es beschreibt Giraffen aus einem ganz anderen Gesichtspunkt. Oder besser, ich habe Giraffen nur nie in dieser Weise gesehen. Sie waren aber immer so ! Die Autorin des Buches, Lynn Sherr, ist eine ABC Reporterin, die während eines Afrika Aufenthaltes dem Charme der Giraffen verfiel. So begann sie, Informationen und Fotos zusammenzutragen und dieses bezaubernde Buch zu schreiben. Und es ist gepackt mit Infos, Fotos und Zitaten von Naturwissenschaftlern, Forschern, Schriftstellern, Biologen und Anthropologen.

Die Giraffe tauchte bereits 100 bis 44 vor Christus in Rom auf, vermutlich im Auftrag von Julius Cäsar dorthin gelangt. Im Italien des 15. Jahrhunderts wurde Lorenzo de Medici eine Giraffe als Geschenk dargebracht, die in den Strassen von Florenz für ziemliches Aufsehen sorgte. Dann gibt es Daisy Rothschild, die berühmte Giraffe, die von einer Familie in Kenya als Haustier gehalten wurde. Und Victor, der 15 Jahre alte Giraffenbulle, der im Zoo von Winchester bei dem Versuch, sich zu paaren, ausrutschte, hinfiel und trotz aller möglicher Hilfe von Feuerwehr, Stützen etc. nicht wieder aufstehen konnte. Als man ihn schliesslich nach 5 Tagen mit Hilfe eines Gerüstes in eine aufrecht stehende Haltung bringen konnte, starb er an Herzversagen.

Giraffen sind sanfte, edle, sehr friedliche und soziale Tiere. Und ich freue mich, das dieses Buch niemand gekauft hat, denn sonst würde ich jetzt abends nicht beim Tee sitzen und mein Wissen über Giraffen erweitern können. Ausserdem habe ich durch dieses Buch die Gedichte von Mary Ann Hoberman (http://maryannhoberman.com) kennen und lieben gelernt. Hier ist eines:

“One half of the giraffe is neck

The other half is not.

Now, necks that are a half of you

Are really quite a lot.

Although they let you see afar

They’re also clearly spotted

(and even more conspicuous

When they are polka-dotted).”

Was bin ich?

Hahaha: Ein Haushalt ist im ökonomischen Sinne eine aus mindestens einer Person bestehende systemunabhängige Wirtschaftseinheit, die sich auf die Sicherung der Bedarfsdeckung ausrichtet. Sofern ein privater Haushalt aus mehreren Personen besteht (Mehrpersonenhaushalt), sind einige dieser Personen häufig miteinander verheiratet oder sogar verwandt. Mein Mann und ich sind miteinander verheiratet, die Katzen sind miteinander verwandt, die Hunde sind, ja, was sind die? Adoptivschwestern? Aufschlussreich sind bei der Untersuchung der Struktur zunächst die verschiedenen sozialen Rollen und Positionen (Status) in Hinblick auf die Verteilung von Macht, Kompetenz, Einfluss, Autorität oder anderer signifikanter Sozialressourcen. Wie auch der Blick auf Unterwerfung oder Anpassung als spezifische Verhaltensweisen, aus denen sich möglicherweise eine Hierarchie oder eine andere spezifische Struktur ergibt. Die Hierarchie in unserem Haushalt ist einfach. Was auch immer die Katzen anstellen, sie versuchen es so aussehen zu lassen, als ob die Hunde es getan hätten. Sie sehen uns nicht als ihre Besitzer sondern eher sich als unsere Besitzer und im allgemeinen als die Besitzer von oben genannten Kriterien wie Macht, Kompetenz, Einfluss und Autorität. Sind wir dann noch eine Soziale Gruppe? Da der Begriff Soziale Gruppe eine Sammlung von mindestens drei Personen bezeichnet, könnte man das annehmen. Es findet bei uns aber eher ein Eigen- als ein Zusammenhandeln statt, somit sind wir vielleicht eine Horde?? !! Oder Herde? Vielleicht auch nur eine nicht Soziale Gruppe !? Ehe ich mir hier weiter den Kopf zerbreche, sollte ich vielleicht erst mal meiner Rolle als Dosenöffner auf zwei Beinen gerecht werden und alle Katzen und Hunde füttern. Das ist doch zumindest mal sozial, oder??

Are You Happy?

Das Leben besteht aus Veränderungen. Denen muss man sich stellen. Je mehr Erfahrungen man macht, je mehr man ausprobiert, desto mehr verändert man sich, bekommt eine neue Denkweise, sieht Dinge aus einer anderen Perspektive.

Ich habe dieses kleine Poster gefunden und denke, das man sich dieses einfache Verhaltensmuster aneigenen und sich wenigstens einmal die Woche fragen sollte: „Bist Du glücklich?“

Man sollte nicht warten, bis alles richtig und perfekt ist. Weil es das nie sein wird. Die Umstände und Gegebenheiten sind immer problematisch und irgendwas spricht immer „dagegen“! Es ist halt nicht der richtige Zeitpunkt, sagt man oft. Ich warte noch! Das kann aber dazu führen, das man ewig wartet. Ich habe 6 Jahre hier in Florida vergeudet, indem ich immer auf den richtigen Zeitpunkt gewartet habe. Wenn man einmal angefangen hat, sich zu bewegen, etwas zu verändern, dann wird man mit jedem Schritt besser und schneller. Am Anfang geht es noch einen Schritt vorwärts und drei Schritte zurück aber wenn man trotzdem immer weiter geht, wird man selbstbewusster, besser, schneller, erfahrener und erfolgreicher. Und glücklicher.

Das ist eines meiner absoluten Lieblingsbilder. Es hing in meinem Kindheitsparadies, an der Wand im Zimmer meiner Ur-Grossmutter.

„Don’t wait until everything is just right. It will never be perfect. There will always be challenges, obstacles and less than perfect conditions. So what. Get started now. With each step you take, you will grow stronger and stronger, more and more skilled, more and more self-confident and more and more successful.”

Erinnerungen

Der Vatertag wird hier in den USA im Gegensatz zu Deutschland etwas später begangen, nämlich am 20. Juni. Das ist heute. Ich kann meinem Schwiegersohn zum Vatertag gratulieren, weil er der Vater meiner wunderbaren Enkeltochter ist und meinem Mann, der zwar nicht der Vater meiner Kinder ist, aber Vater einer ebenfalls wunderbaren Tochter. Nur meinem Vater kann ich leider nicht mehr gratulieren, ihn nicht mehr drücken und ihm sagen, das mir vieles leid tut, was ich getan habe und das ich ihn lieb habe und das ich von ihm so viel gelernt habe. Nicht immer geht es, dass wir uns von Menschen richtig verabschieden können und vieles bleibt leider ungesagt. Man sollte die Zeit mit lieben Menschen richtig ausnutzen und oft mal, anstatt über Nichtigkeiten zu streiten, einfach mal vergeben, verzeihen, hinwegsehen und sich freuen, das man diesen Menschen hat. Ihm sagen, wie sehr man ihn mag. Nichts ungesagt sein lassen, Zeit gemeinsam verbringen und Erinnerungen aufbauen. Woran man sich erinnert, das kann nicht mehr verloren gehen.

„Ein Strauch zittert, weil ein Vogel darüber flog. Das Herz erzittert, weil Erinnerung es durchzog.“

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